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Die Umsatzsteuer wird auf 16 % gesenkt – Was bedeutet das für MUA´s?

Jun 8, 2020 | Infos zu Corona

Was ändert sich bei der Umsatzsteuersenkung für Make-up Artists & Hochzeitsdienstleister?

Was ändert sich bei der Umsatzsteuersenkung
für Make-up Artists & Hochzeitsdienstleister?

Einen Hinweis vorweg: Dieser Artikel enthält meine persönliche Meinung, basierend auf recherchierten Veröffentlichungen der Bundesregierung. Dieser Artikel stellt keine verbindliche Rechtsauskunft dar.

Die Bundesregierung hat am Mittwoch, 03.06.2020 das neue geplante Konjunkturpaket veröffentlicht, welches die Wirtschaft ankurbeln und Unternehmen stärken soll. Insbesondere für unsere Branche sind folgende Änderungen relevant:

  • Die Absenkung der Mehrwertsteuer auf 16% ab dem 01.07. bis 31.12.2020.
  • Weitere Zuschüsse zu den Betriebskosten bei Umsatzrückgängen, Antragsfrist: 31.08.2020.

Außerdem wurde die Grenze für Kleinunternehmer von 17.500 Euro auf 22.000 Euro angehoben. Das wurde bereits Ende 2019 beschlossen und gilt seit dem 01.01.2020.

In diesem Artikel möchte ich insbesondere auf die Mehrwertsteuer-Senkung eingehen und dich darüber informieren.

Wenn du Lust hast, alle Maßnahmen durchzulesen, findest du hier den Link zum Konjunkturpaket.

 

Was ändert sich für dich als Dienstleister mit dem neuen Steuersatz?

Hast du bisher mit der Kleinunternehmerregelung abgerechnet, also nur die Nettobeträge, ändert sich für dich und deine Kunden nichts.

Wer jedoch bisher bereits Umsatzsteuer in seinen Preisen inkludiert hat, muss nur noch 16 % USt. an das Finanzamt abführen. Die Preisangaben müssen sowohl auf deiner Website als auch auf den Rechnungen abgeändert werden.

Gilt der neue Umsatzsteuersatz ab Leistungserbringung oder ab Buchung?

Maßgeblicher Zeitpunkt für den neuen Steuersatz ist bei Dienstleistungen der Leistungszeitpunkt und bei Wareneinkäufen die Übernahme der Ware. Auf den Abschluss des jeweiligen Vertrages kommt es demnach nicht an. Theoretisch müssten also alle im Voraus gebuchten Leistungen, die aber erst ab Juli 2020 durchgeführt werden, bereits mit dem neuen Steuersatz abgerechnet werden.

Das kann bei kleinlichen oder sehr genauen Kunden zu Preisdiskussionen oder sogar zu Stornierungen und Neubuchungen führen. Je nachdem, wie sehr der Kunde einen Rabatt von 2,52 % haben möchte.

Warum ist der Preisunterschied bei 2,52% und nicht bei 3%?

Wichtig ist, dass du deine Bruttopreise nicht einfach um 3% reduzierst, denn dann würdest du weniger verdienen. Die Reduzierung des Preises fällt geringer aus, was ich dir an dem folgenden Rechenbeispiel zeigen möchte:

Nehmen wir an, dein Brautstyling kostet 400 Euro netto. Hinzu kommt die Umsatzsteuer, die der Kunde mitzahlen muss, die du aber ans Finanzamt weitergibst. In diesem Fall zahlt der Kunde 476 Euro für das Brautstyling.

400 Euro + 19 % USt. (Mein Rechnungsweg: 400*1,19) = 476 Euro

Viele denken, dass man vom bisherigen Bruttopreis nun einfach 3 % abziehen könnte, doch dann würde ein anderes Ergebnis rauskommen, als wenn du die 16% USt. zum Nettobetrag hinzuaddierst.

Falsch: Bruttobetrag – 3% → (476*0,97) = 461,72 Euro

Richtig: Nettobetrag + 16% → (400*1,16) = 464 Euro → 12 Euro Unterschied

oder: 476 – 2,52% (476*0,9747)= 464 Euro

Die reale Reduzierung beträgt 2,52 % (12 Euro * 100% / 476).

Wird es nun für den Kunden günstiger oder verdient der Dienstleister mehr?

Das kommt natürlich auf dich an. Du entscheidest, ob und inwieweit du die Senkung des Mehrwertsteuersatzes weitergeben möchtest. Es gibt also verschiedene Szenarien:

Variante 1: Der Kunde zahlt weniger.

  • Du gibst die Reduzierung 1:1 weiter. Alle deine Preise werden um 2,52% günstiger.
  • Der Kunde hat also eine Ersparnis.

Variante 2: Du verdienst mehr.

  • Deine Preise bleiben dieselben. Die Reduktion der Umsatzsteuer wird nicht weitergegeben.
  • Du hast einen höheren Gewinn.

Variante 3: Beide haben einen Vorteil.

  • Du gibst die Reduzierung der Mehrwertsteuer nur teilweise weiter, indem du zwar einen Rabatt gewährst aber nicht die kompletten 2,52 % oder du packst stattdessen ein kleines Extra in dein Dienstleistungsangebot.
  • Win / Win

Variante 4: Du lässt den Kunden entscheiden

  • Der Kunde hat die Wahl, ob er lieber einen Rabatt haben oder er dich unterstützen möchte.
  • Eigener Vorteil oder das Gefühl haben, etwas Gutes zu tun.

Welche der Varianten ist die Beste?

Die Kunden wissen natürlich, dass es eine Umsatzsteuersenkung gibt und sehen, wie du damit umgehst. Die Bundesregierung hat diese Maßnahme beschlossen, um die Wirtschaft anzukurbeln. Das kann in beide Richtungen ausgelegt werden:

a) Die Kauflust des Kunden soll gesteigert werden, da viele Preise nun reduziert werden.

oder

b) Die Unternehmen sollen gestärkt werden, da sie die letzten Monate massive Umsatzeinbußen hatten.

So können Unternehmen mehr verdienen, ohne die Preise anzuheben. Aber sie können auch einen Rabatt geben, ohne dabei noch weniger zu verdienen.

Es gibt – wie in so vielen Bereichen – kein Richtig und kein Falsch. Viel wichtiger ist es, nach deinen Werten zu handeln. Dazu werden dir die folgenden Fragen weiterhelfen:

  • Würde durch eine Preissenkung um 2,52% bei dir mehr gekauft/gebucht werden?
  • Stell dir vor, du gehst zu deinem Friseur: Was würdest du preistechnisch erwarten? Wie fändest du es, wenn es keinen Rabatt geben würde? Hättest du Verständnis?
  • Wie könntest du beim Kunden Verständnis schaffen oder wie würde man den Rabatt kommunizieren?
  • Wie wäre es, wenn die Kunden selbst entscheiden könnten, ob sie dich unterstützen wollen oder lieber selbst den Rabatt haben möchten?

Was gibt es nun für dich zu tun?

  • Kommuniziere mit deinen Kunden. Wie wirst du mit der neuen Regelung umgehen?
  • Reduziere die Umsatzsteuersätze auf deiner Homepage und in deinen Rechnungen.
  • Ändere ggf. die Bruttopreise auf deiner Homepage / Preisliste ab.